Norwegen verbietet den länderübergreifenden Online-Verkauf von Nikotin- und Tabakprodukten
Sollten andere Länder diesem Beispiel folgen? Im Januar 2026 führt Norwegen ein Verbot des länderübergreifenden Online-Verkaufs von Nikotin- und Tabakprodukten ein. Dieses Verbot bedeutet, dass Tabak- oder Nikotinprodukte, die in einem anderen Land online bestellt und nach Norwegen geliefert werden sollen, vom Zoll aufgehalten und beschlagnahmt werden können. Wichtig ist, dass dieses Verbot nicht für Online-Verkäufe innerhalb Norwegens gilt.
Auf einen Blick
- Norwegen hat den länderübergreifenden Online-Verkauf von Nikotin- und Tabakprodukten verboten, um den Zugang für Jugendliche zu beschränken.
- Die fragmentierte Regulierungslandschaft in der EU ermöglicht es Verbraucherinnen und Verbrauchern, nationale Beschränkungen durch Online-Käufe aus anderen Ländern zu umgehen.
- Ein EU-weit harmonisiertes Verbot länderübergreifender Online-Verkäufe könnte gesundheitspolitische Ziele unterstützen, Steuereinnahmen sichern und regelkonforme inländische Unternehmen schützen.
Inhaltsverzeichnis
Warum Norwegen das Verbot eingeführt hat
Diese Maßnahme ist Teil der norwegischen Tabakkontrollpolitik und verfolgt insbesondere das Ziel, den Zugang junger Menschen zu Nikotinprodukten zu begrenzen. Es ist eine Position, der bald auch andere europäische Länder folgen könnten.
Der Markt für Nikotinprodukte hat sich in den letzten Jahren rasant entwickelt. Innovative Produkte wie Nikotinbeutel und E-Zigaretten gewinnen zunehmend an Bedeutung als Alternative zu herkömmlichen Zigaretten. Da Regierungen diese neuen Produkte jeweils eigenständig reguliert haben, ist ein uneinheitliches Geflecht aus Gesetzen und Vorschriften entstanden, das teilweise widersprüchliche Wirkungen entfaltet.
Eine fragmentierte Regulierungslandschaft in der EU
Die politischen Zielsetzungen der einzelnen Länder und die eingesetzten Instrumente unterscheiden sich erheblich. So sind beispielsweise in Ländern wie Schweden und Finnland Nikotinbeutel weit verbreitet, während andere Länder wie Belgien und die Niederlande vollständige Verkaufsverbote erlassen haben.
Diese Unterschiede führen zu erheblichen Abweichungen bei Verfügbarkeit und Preisen alternativer Produkte für Bürgerinnen und Bürger in Europa. Besonders deutlich zeigen sich diese Unterschiede beim Online-Verkauf von Nikotinprodukten.
Selbst wenn einzelne Länder höhere Steuern erheben, Nikotingrenzwerte festlegen oder bestimmte Produkte vollständig verbieten, sind diese weiterhin mit wenigen Klicks über Online-Shops in anderen EU-Staaten erhältlich. Verbraucherinnen und Verbraucher werden dadurch stark zu länderübergreifenden Online-Käufen motiviert. Dies untergräbt die Wirksamkeit nationaler Tabak- und Gesundheitspolitik und führt zu unfairem Wettbewerb zwischen den Ländern.
Der EU-Safe-Hearts-Plan und die Tabakkontrolle
Ein anschauliches Beispiel für diese Entwicklung ist der neue EU-Safe-Hearts-Plan. Dabei handelt es sich um eine umfassende EU-Strategie zur Bekämpfung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen (CVD), der häufigsten Todes- und Krankheitsursache in der Europäischen Union.
Der Plan konzentriert sich auf Prävention, Früherkennung, Innovation und gesundheitliche Chancengleichheit. Er wurde am 16. Dezember 2025 veröffentlicht, und eine zentrale Säule ist die Modernisierung der EU-Tabakkontrollgesetzgebung.
Die Notwendigkeit kohärenter Regulierung in Europa
Ein modernisierter europäischer Rechtsrahmen für Tabak- und Nikotinprodukte kann nicht nur zur Verringerung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen beitragen, sondern auch junge Menschen besser vor dem Zugang zu Nikotinprodukten schützen. Um dies wirksam zu erreichen, muss die Regulierung jedoch europaweit kohärent sein.
Wenn jedes EU-Land eigene Regeln für den Online-Verkauf von Tabak- und Nikotinprodukten festlegt, wird die Umsetzung einer gemeinsamen EU-Strategie erheblich erschwert. Hier kann ein Verbot des länderübergreifenden Online-Verkaufs eine entscheidende Rolle spielen.
Inländische Online-Verkäufe als Teil der Lösung
Es ist wichtig zu betonen, dass der Online-Verkauf von Nikotinprodukten, der häufig als Problem der Tabakkontrollpolitik dargestellt wird, vielmehr Teil der Lösung sein kann. Ein gut regulierter inländischer Online-Markt ist ein wirksames Instrument zur Umsetzung staatlicher Tabak- und Gesundheitspolitik.
Inländische Online-Verkäufe bieten unter anderem folgende Vorteile:
- Leichte Kontrolle und Nachverfolgbarkeit: Jede Transaktion hinterlässt eine digitale Spur, die es den Behörden ermöglicht, Verkäufe effektiv zu überwachen.
- Strenge Altersverifikation: Moderne Technologien erlauben wirksame und überprüfbare Alterskontrollen.
- Bessere Verbraucherinformation: Online-Verkaufsprozesse können sicherstellen, dass Käuferinnen und Käufer korrekte Produktinformationen, Gesundheitswarnungen und Inhaltsstofflisten erhalten – etwas, das im unregulierten Markt oder im stationären Handel nicht immer gewährleistet ist.
- Sicherheit und Nachhaltigkeit: Gut regulierte digitale Vertriebswege stellen sicher, dass Verbraucherinnen und Verbraucher ausschließlich rechtlich zugelassene Produkte erhalten, die nationalen Qualitäts- und Sicherheitsstandards entsprechen.
Warum Harmonisierung die zentrale Herausforderung bleibt
Die eigentliche Herausforderung für die EU-Mitgliedstaaten liegt daher nicht im inländischen Online-Verkauf von Nikotinprodukten, sondern im Fehlen harmonisierter Regeln darüber, welche Produkte im Binnenmarkt verkauft werden dürfen, sowie in den erheblichen Unterschieden bei Steuern und Verbrauchsabgaben.
Solange es keine gemeinsamen europäischen Vorgaben gibt, müssen Regierungen ihre nationale Tabak- und Gesundheitspolitik auf anderem Wege schützen. Ein wirksames Mittel könnte darin bestehen, Norwegens Ansatz zu übernehmen und den länderübergreifenden Online-Verkauf von Nikotinprodukten innerhalb der EU zu untersagen.
Die Argumente für ein Verbot länderübergreifender Verkäufe
Obwohl die EU auf dem Prinzip des freien Warenverkehrs beruht, könnte ein Verbot länderübergreifender Online-Verkäufe von Nikotinprodukten für viele Regierungen attraktiv sein.
Die Gründe sind klar:
- Nationale politische Instrumente müssen funktionieren: Ein Verkaufsverbot stellt sicher, dass nationale Maßnahmen wie Verkaufsverbote oder Qualitätsstandards (z. B. Höchstgrenzen für den Nikotingehalt) tatsächlich wirksam sind. Wenn Verbraucherinnen und Verbraucher nationale Gesetze durch Online-Käufe aus anderen Ländern umgehen können, verlieren diese Regelungen ihren Zweck.
- Schutz vor illegalem Handel: Ein gut regulierter inländischer Online-Markt verringert die Attraktivität internationaler oder illegaler Angebote. Produkte aus Drittstaaten entsprechen häufig nicht den nationalen Sicherheits- oder Qualitätsstandards.
- Sicherung von Steuereinnahmen: Ein Verbot hilft sicherzustellen, dass Steuereinnahmen im Land des Konsums verbleiben. Der Verlust der Steuerbasis an andere Länder oder der vollständige Ausfall von Steuern ist wirtschaftlich nicht tragfähig.
- Schutz inländischer Unternehmen: Unternehmen, die nationale Vorschriften einhalten, Steuern zahlen und regulatorische Anforderungen erfüllen, müssen vor unfairem Wettbewerb durch ausländische Online-Händler geschützt werden, die diesen Verpflichtungen nicht unterliegen.
Werden andere Länder Norwegens Beispiel folgen?
Es ist gut möglich, dass weitere europäische Länder Norwegens Beispiel aufgreifen und im Rahmen der anstehenden Überarbeitung der Tabakproduktrichtlinie auf ein Verbot länderübergreifender Online-Verkäufe drängen. Ein solcher Schritt könnte wesentlich dazu beitragen, nationale tabakpolitische Ziele in einem fragmentierten europäischen Markt zu
erreichen, verantwortungsbewusste inländische Händler zu schützen und – besonders wichtig – den Zugang von Jugendlichen zu Nikotinprodukten wirksam zu begrenzen.