Back to Work: Was sagen Studien über Snus und Konzentration?
Nach den Ferien fällt vielen der Einstieg in den Arbeitsalltag nicht leicht. Konzentration, Aufmerksamkeit und Fokus stehen dann oft besonders im Mittelpunkt. Doch welche Rolle spielt Nikotin dabei? Wir haben uns den aktuellen Forschungsstand angesehen und ihn mit einem kleinen Praxistest in unserem Büro ergänzt. Dabei geht es nicht darum, allgemeingültige Aussagen zu treffen, sondern wissenschaftliche Erkenntnisse und praktische Beobachtungen einzuordnen.
Auf einen Blick
- Mehrere Studien untersuchen den Zusammenhang zwischen Nikotin und kognitiven Funktionen wie Aufmerksamkeit, Fokus und Arbeitsgedächtnis.
- Die bisherige Forschung beschreibt Zusammenhänge, liefert jedoch keine allgemeingültigen Aussagen für alle Nutzer:innen.
- Auch sportwissenschaftliche Untersuchungen deuten unter bestimmten Bedingungen auf Leistungsunterschiede hin.
- Ein kleiner Praxistest in unserem Büro ergänzt die wissenschaftlichen Erkenntnisse, ist jedoch nicht wissenschaftlich belastbar.
- Wie Nikotin wahrgenommen wird, kann sich von Person zu Person unterscheiden.
Warum beschäftigen sich Forschende mit Nikotin und Konzentration?
Viele Nutzer:innen berichten, dass sie sich nach der Anwendung eines Nikotinprodukts wacher oder konzentrierter fühlen. Ob sich diese Wahrnehmung auch wissenschaftlich nachweisen lässt, wird seit vielen Jahren untersucht. Im Mittelpunkt stehen dabei Fragen wie: Kann Nikotin Aufmerksamkeit oder Arbeitsgedächtnis beeinflussen? Und falls ja – unter welchen Bedingungen?
Ein möglicher Erklärungsansatz liegt in der Wirkung von Nikotin auf das zentrale Nervensystem. Nikotin beeinflusst unter anderem die Botenstoffe Dopamin und Noradrenalin, die an Prozessen wie Aufmerksamkeit, Motivation und Wachheit beteiligt sind. Deshalb untersuchen verschiedene Forschungsgruppen seit Jahren, ob sich daraus messbare Unterschiede bei bestimmten kognitiven Aufgaben ergeben.¹
Was sagt die wissenschaftliche Forschung?
Die bisherige Forschung zeichnet kein einheitliches Bild, beschreibt jedoch mehrere interessante Zusammenhänge.
Eine 2024 veröffentlichte Studie untersuchte den Zusammenhang zwischen Nikotin und dem Arbeitsgedächtnis. Die Forschenden beobachteten, dass sich die Leistung der untersuchten Teilnehmenden während der Anwendung von Nikotinprodukten verbesserte. Gleichzeitig stellten sie Veränderungen des Brain-Derived Neurotrophic Factor (BDNF) fest – eines Proteins, das eine wichtige Rolle für Lern- und Gedächtnisprozesse spielt. Nach längerer Nikotinabstinenz gingen sowohl die BDNF-Werte als auch die beobachteten Verbesserungen des Arbeitsgedächtnisses wieder zurück.²
Auch eine Übersichtsarbeit in der Fachzeitschrift Current Neuropharmacology kommt zu dem Ergebnis, dass Nikotin unter bestimmten Bedingungen mit Veränderungen bei Aufmerksamkeit, Arbeitsgedächtnis und einigen feinmotorischen Aufgaben in Zusammenhang stehen kann. Die Autor:innen diskutieren unter anderem, dass Nikotin dabei helfen könnte, störende Reize besser auszublenden und dadurch die Konzentration auf eine Aufgabe zu erleichtern. Gleichzeitig weisen sie darauf hin, dass die beobachteten Effekte von zahlreichen individuellen Faktoren abhängen und nicht bei allen Menschen gleich ausfallen.¹
Außerhalb klassischer Labortests wurden ebenfalls mögliche Zusammenhänge untersucht. Eine Cross-over-Studie mit elf leistungsorientierten Bogenschützen verglich die Ergebnisse nach der Anwendung eines 2-mg-Nikotinkaugummis mit einem Placebo. Die Forschenden beobachteten unter anderem schnellere Reaktionszeiten sowie höhere Punktzahlen im simulierten Wettkampf. Die Autor:innen betonen jedoch, dass sich diese Ergebnisse nicht ohne Weiteres auf andere Personengruppen oder Alltagssituationen übertragen lassen.³
Was zeigte unser Praxistest?
Die wissenschaftliche Literatur liefert interessante Hinweise, beantwortet die Frage nach Konzentration und Fokus jedoch nicht abschließend. Deshalb wollten wir wissen, ob sich ähnliche Beobachtungen auch im Arbeitsalltag zeigen. Für einen kleinen Praxistest in unserem Büro baten wir fünf Kolleg:innen aus unterschiedlichen Fachbereichen, dieselbe Schreibaufgabe einmal ohne und einmal mit einem Nikotinprodukt zu absolvieren.
Ziel war es nicht, wissenschaftliche Ergebnisse zu erzielen, sondern erste praktische Beobachtungen mit den Erkenntnissen aus der Forschung zu vergleichen.
Teilnehmende: 5
Berufsgruppen: SEO Specialist, UX Designer, Tech Specialist und E-commerce Developer
Aufgabe: Innerhalb einer Minute sollten möglichst viele der angezeigten Wörter korrekt abgeschrieben werden. Gemessen wurden die Schreibgeschwindigkeit (Words per Minute, WPM) und die Genauigkeit.
Ergebnisse des Praxistests
| Teilnehmer | Ohne Nikotin | Mit Nikotin | Veränderung |
| Melker | 36 WPM, 100 % | 53 WPM, 96 % | +17 WPM / −4 % Genauigkeit |
| Alexander | 42 WPM, 100 % | 52 WPM, 100 % | +10 WPM |
| Daniel | 113 WPM, 98 % | 111 WPM, 94 % | −2 WPM / −4 % Genauigkeit |
| Eivind | 79 WPM, 100 % | 75 WPM, 100 % | −4 WPM |
| Herman | 66 WPM, 98 % | 74 WPM, 97 % | +8 WPM / −1 % Genauigkeit |
* Die Teilnehmenden verwendeten unterschiedliche Nikotinprodukte – sowohl tabakhaltigen Snus als auch tabakfreie Nikotinbeutel – mit unterschiedlichen Nikotinstärken.
Wie lassen sich die Ergebnisse einordnen?
Drei der fünf Teilnehmenden erreichten mit einem Nikotinprodukt eine höhere Schreibgeschwindigkeit. Im Durchschnitt stieg die Schreibgeschwindigkeit um 8,6 %, während die Genauigkeit im Mittel um 1,8 % zurückging. Die individuellen Unterschiede fielen jedoch deutlich aus: Während einige Teilnehmende schneller arbeiteten, veränderten sich die Ergebnisse bei anderen kaum oder verschlechterten sich leicht.
Auch die subjektiven Eindrücke waren unterschiedlich. Einige berichteten von einem besseren Konzentrationsgefühl während der Aufgabe, andere bemerkten keinen spürbaren Unterschied. Diese persönlichen Einschätzungen stimmten nicht in allen Fällen mit den gemessenen Ergebnissen überein.
Hinweis: Der Praxistest wurde mit nur fünf Personen durchgeführt und ist nicht wissenschaftlich belastbar. Die Ergebnisse dienen ausschließlich der Veranschaulichung und lassen keine allgemeinen Rückschlüsse auf die Wirkung von Nikotin zu.
Fazit: Was lässt sich aus Forschung und Praxistest ableiten?
Die bisherige Forschung beschäftigt sich intensiv mit der Frage, ob Nikotin Aufmerksamkeit, Konzentration oder Arbeitsgedächtnis beeinflussen kann. Mehrere Studien beschreiben Zusammenhänge zwischen Nikotin und bestimmten kognitiven Funktionen, unterscheiden sich jedoch in Aufbau, Teilnehmenden und Methodik. Deshalb lassen sich daraus keine allgemeingültigen Aussagen für alle Menschen ableiten.¹²³
Auch unser kleiner Praxistest zeigte kein einheitliches Bild. Einige Teilnehmende arbeiteten schneller und berichteten von einem stärkeren Konzentrationsgefühl, während andere kaum Unterschiede feststellten. Die Ergebnisse verdeutlichen vor allem eines: Individuelle Unterschiede spielen eine große Rolle, und kleine Praxistests können wissenschaftliche Untersuchungen nicht ersetzen.
Referenzen
¹ Cognitive Effects of Nicotine: Recent Progress. PubMed
² Nicotine improves working memory via augmenting BDNF levels through α7 nAChR. Psychopharmacology. PubMed
³ Nicotine supplementation enhances simulated game performance of archery athletes. Journal of the International Society of Sports Nutrition.
⁴ Interner Northerner-Praxistest mit fünf Teilnehmenden. Schreibgeschwindigkeit und Genauigkeit bei einer standardisierten Schreibaufgabe.